Virtuelle Jugendarbeit

Ein Angebot der Regionalen Kinder- und Jugendfachstelle Täuffelen – Ins – Erlach

Über den Umgang mit den neuen Medien

Wie lange darf mein Sohn youtube Videos konsumieren? Ist es normal, dass sich meine Tochter jeden Tag auf Facebook einloggt? Darf ich meinem Kind ein Smartphone kaufen? Gibt mir die Handyrechnung Aufschluss über die Handynutzung meines Sohnes?

Durch Computer, Fernseher, Handy, Smartphone, usw. entstehen Themen, die heute die Erziehung neu zu definieren scheinen. Als Eltern steht man wohl immer wieder von Neuem am Berg und Rat finden, ist schwierig, denn Bücher zu diesen Themen neigen dazu, beim Erscheinen schon veraltet zu sein. Das Internet hilft weiter, es gibt eine Unzahl von Ratgeberseiten – doch läuft man beim Rat suchen Gefahr, sich selber im Netz zu verlieren, denn die Fülle an Informationen führt zu einer Vielzahl von Antworten – welches ist denn nun die richtige?

Für unsere Eltern- und Erwachsenenkursen diskutieren wir unbeantwortete Fragen immer wieder, erforschen das Internet nach Expertenantworten und studieren Statistiken.

In diesem Beitrag stelle ich daher, aus meiner professionellen Sicht als Jugendarbeiter und aus der Sicht als Familienvater einige Aspekte der Erziehung rund um „neue Medien“ zur Diskussion und Anregung.

Geburt bis Kindergartenalter
Experten sind sich einig, dass Kleinkinder unter 4 Jahren noch keinen Zugang zu Geräten der Neuen Medien brauchen. Und doch kann man beobachten, dass bereits Kinder, die jünger als ein Jahr alt sind, sich mit einem Smartphone beschäftigen können. (Studien zu diesem Thema liegen kaum vor, so bezieht sich diese Beobachtung auf mein Umfeld und diverse Behauptungen aus dem Internet.)

Ich selber, als Vater von vier Töchtern und begeisterter Beobachter der Entwicklung neuer Medien bin der Meinung, Kinder dürfen durchaus Kontakt zu Geräten wie Smartphones und Tablets haben, denn sie bieten super Möglichkeiten der Frühförderung. Die Bildschirmzeit sollte aber sehr begrenzt sein (z.B. ein- bis zweimal die Woche 15 Minuten) und die Eltern sollen genau wissen, was das Kind mit dem Gerät macht!

Im Kindergartenalter gibt es beispielsweise wunderbare Apps, die sich dem vorschulischen Lernen widmen (z.B. von Lernerfolg Grundschule die Apps Prinzessin Lillifee und Kapitan Sharky). Ist ein Kind interessiert, so kann ein regelmässiger Kontakt mit solchen Apps auf einem Tablet Computer (z.B. dem IPad) sinnvoll sein. Auch hierbei gehe ich davon aus, dass die Eltern genau wissen, was ihr Kind macht!

Die ersten drei Schuljahre
Die Schule erwartet neuerdings im Kanton Bern von allen Kindern der dritten Klasse, dass sie selbständig am Computer Französisch lernen können. Damit die Kinder dazu bereit sind, würde ich empfehlen, ab der ersten Klasse zwischendurch mit dem Kind ab und an am Computer zu arbeiten. Die meisten Kinderhände sind in diesem Alter in der Lage, mit einer Maus und Tastatur umzugehen. (Unsere Kinder übten dies mit den leider nicht mehr erhältlichen Lernspielen von Peterson und Findus).

Ein erstes multimediales Bedürfnis welches ein eigenes Gerät notwendig machen könnte ist das Musik hören. Ein eigener MP3 Player kann so bereits in der Unterstufe ein Thema sein. Hierzu gilt es aber zu bedenken, dass Ohren bei zu lauter Lautstärke schnell Schaden nehmen. (Die IPods von Apple haben eine Lautstärkenbegrenzung, die ich persönlich als sehr gut einstufe.)

Mittelstufe
Die grosse Spannweite in der Entwicklung der Kinder macht es schwierig, für diese Lebensjahre genaue Empfehlungen abzugeben. Einigkeit herrscht unter den Experten darin, dass Kinder unter 10 Jahren nicht alleine im Internet unterwegs sein sollen. Der Familien Computer an einer gut einsehbaren Stelle steht, also fürs schulische Lernen ausreichend.

Viele Kinder wollen aber bereits in dieser Lebensphase mit ihren Freund/innen online in Kontakt sein. War vor wenigen Jahren das Handy das Objekt der Begierde so könnte dies heute z.B. der IPod Touch von Apple sein. Miteinander chatten, Nachrichten versenden, Musik hören, Computerspiele spielen, aber auch Youtube Videos ansehen und Internet Recherchen usw. machen diese Geräte extrem interessant – besonders weil zu Hause im eigenen WLAN keine Kosten durch die Nutzung entstehen.

Wir haben unseren Kindern (7 und 10 Jahre) den Erwerb eines ipod und ipod touch erlaubt und begleiten sie bei der Nutzung durch klare Regeln und sinnvolle Einschränkungen (20 Minuten/Tag, Internet und Youtube nur wenn wir daneben sitzen, Installieren von Software nur mit uns, usw.). Ähnlich würde ich auch das Thema Spielkonsole regeln – war aber bei unseren Kindern bisher kein Thema. In Deutschland besitzen etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren ein eigenes Handy und/oder einen eigenen MP3 Player (Quelle: KIM Studie 2010)

Oberstufe

Nach Rücksprache mit diversen Oberstufenschulen steht für mich fest, Jugendliche sollten ab der 7. Klasse in der Lage sein, in der Schule selbständig im Internet zu recherchieren und sich bestmöglich abgrenzen können, damit sie sich nicht im Netz verlieren bzw. erkennen, wenn ihnen ungute Sites begegnen und sie sich Rat bei einer erwachsenen Person holen müssen. Dazu ist aber wichtig zu wissen, dass die Schulen in der Schweiz meistens mit einem relativ guten Internetfilter (Swisscom nennt diesen Web Content Screening) ausgestattet sind. Diese Filter sollen die Kinder und Jugendlichen vor ungewollten Suchresultaten schützen und z.B. pornographische oder Gewalt verherrlichende Inhalte verbergen. Solche Filter kann man auch zu Hause installieren (am besten beim Provider nachfragen).

Ein weiteres Thema sind die Sozialen Netzwerk Seiten. Hierzu findet man Infos unter „Was macht Facebook für Jugendliche so spannend“ und in der Broschüre zum Facebook Schnupperkurs für Eltern.

Handy, resp. Smartphone

Viele Eltern sind froh, ihre Kinder mittels Handy zu erreichen. Auch das Kind lernt, dass es praktisch ist, erst unterwegs mit den Eltern die Zeit zum nach Hause kommen zu besprechen… So sollte man zuerst klären, wer welches Interesse zwecks Handy hat. Ich bin überzeugt, dass zum Erlernen der Planungskompetenzen und Zuverlässigkeit ein Handy hinderlich ist, in einem richtigen Notfall aber ein Segen sein kann.

Ich persönlich finde keine Gründe, die für ein Smartphone sprechen (extrem teuer, freies Internet beinahe überall, …) wo hingegen ein einfaches Handy mit einem Prepay Abonnement je nach Bewegungsradius des Jugendlichen sinnvoll sein kann.

Zusammenfassend

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland hat folgende Empfehlung publiziert (Quelle: Lehrer-online.de):

Sieht man von meinen Ausführungen zur Tablett- oder Smartphonenutzung der Ein- bis Dreijährigen ab, so würde ich diesen Empfehlungen im Sinne von maximalen Richtlinien zustimmen.

Ab der 5. Klasse empfiehlt Martin Kohn in seinem Buch „Hilfe, mein Kind hängt im Netz“ (2010, Deutschland) eine Nutzungsdauer von 1 bis 2 Stunden je Tag (Internet und Fernsehen zusammengerechnet). Auch diese Empfehlung würde ich als Maximalwert mit „akzeptabel“ einstufen. Schaut man in die JIM Studie 2011, so verbringt in Deutschland diese Altersgruppe an einem durchschnittlichen Werktag immerhin 134 Minuten im Internet und 113 Minuten vor dem Fernseher!

Eine weitere wichtige Faustregel ist der Vergleich zwischen Bildschirmzeit und der Zeit draussen. Besteht hier eine Ausgewogenheit, so kann man von einer gesunden Entwicklung ausgehen. Vorausgesetzt die Kinder hängen mit 11 Jahren nicht bis nachts um 22.00 Uhr draussen rum; unbeaufsichtigt und alleine unter Kollegen:-) und der Computer oder das Smartphone befinden sich nicht im Zimmer, mit WLAN Zugang und das Kind ist nachts online und tagsüber draussen unterwegs:-)

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