Virtuelle Jugendarbeit

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Das Handy – das Lebenszentrum der Jugendlichen?

Der Handyumgang der eigenen Kinder und Jugendlichen beschäftigt Eltern heute intensiv. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass in den Elternworkshops die meisten Fragen den Umgang mit dem Handy betreffen.

Quelle Pixabay

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Viele Kinder sind in der 4. Klasse bereits stolze Besitzer/-innen eines Smartphone, damit haben sie Zugang zur ganzen Welt!
Sie fotografieren, hören Musik, besprechen sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen und schauen interessante Videos an. Andere spielen Computerspiele, alleine oder im Falle von Onlinespielen wie Clash of Clans mit 5 Millionen anderen. Vielleicht lernen sie auch mit hilfreichen APP’s für die Schule oder produzieren ihre eigene Musik. Unterwegs teilen sie über Soziale Netzwerke wie WhatsApp, Kik oder Instagram Erlebtes mit ihren Freunden. Das eigene Handy ist für Kinder und Jugendliche ein unabdingbarer Alleskönner.

Wie sollen Eltern damit umgehen?

Idealerweise tauschen sich die Eltern einer Klasse zu diesem Thema aus. In den Mittelstufenworkshops zu Neuen Medien stelle ich fest, dass die Unterschiede in dieser Altersgruppe sehr gross sind. In einigen Klassen besitzen fast alle Kinder ein Smartphone und in anderen Klassen hat fast kein Kind ein solches Gerät.
Ein grosses Thema sind die mobilen Daten – denn ein Smartphone ohne mobile Daten ist nur ein halbes Smartphone. In unserer Arbeit stellen wir fest, dass die Kinder nicht immer verantwortungsvoll mit all den mobilen Daten umgehen können und sich die Eltern oft ihrer Verantwortung nicht bewusst sind (z.B. Verfügbarkeit von Porno Videos, uvm.).

Wichtige Empfehlung: Keine unlimitierten Handyabos oder grossen Datenpaketen für die Geräte der Kinder!

Viele Fragen beziehen sich auch auf die Sozialen Netzwerke. Welches ist sicher? Welche Gefahren bestehen? Was gilt es zu beachten? Kurz zusammengefasst, all diese Dienste laufen über das Internet – unterwegs braucht man dazu mobile Daten, zu Hause ein WLAN. Die gesamte Kommunikation im Netz ist kaum zu löschen.

Die Empfehlung: Eltern erstellen zusammen mit ihrem Kind ein Profil in einem der Sozialen Netzwerke, lesen die allgemeinen Geschäftsbestimmungen und legen entsprechende Regeln fest – z.B. Kinder dürfen eigene Bilder nur hochladen, wenn sie diese zuvor den Eltern gezeigt haben.

Bei vielen Sozialen Netzwerken erteilt man mit dem Hochladen eines Bildes dem Dienstleister die Rechte, diese Bilder zu verwenden. So besteht die Möglichkeit, dass die hochgeladenen Bilder von der ganzen Welt gesehen werden könnten, theoretisch.

Weitere Empfehlung: Die Eltern sollten sich zwischendurch die Profile der Kinder zeigen lassen.

Ein anderer Themenbereich sind die APPs (die Programme auf dem Gerät). Welche sind geeignet? Was gilt es hier zu beachten?

Die Empfehlung: Kindern die Möglichkeit sperren, sich selbständig Programme auf das Smartphone zu installieren, auch keine Gratisprogramme oder in APP Käufe.

Will ein Kind eine APP installieren, so kann man auch hier zusammen besprechen unter welchen Bedingungen das möglich ist.

smartphone-597284_1280Trotz all den anspruchsvollen Themen ist es wichtig, dass Eltern diese Geräte und Möglichkeiten nicht pauschal verurteilen, sondern über Inhalte und Verhalten diskutieren, klare Grenzen vorgeben und den Kindern und Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Handlungsspielraum immer wieder anpassen. Sich treu bleiben, auf die innere Stimmen hören ist dabei das oberste Credo.

Empfehlung: Eltern erstellen zusammen mit ihren Kindern und Jugendlichen einen Handvertrag. Die Regeln werden dort so ausgehandelt, dass die Eltern ein gutes Gefühl haben und die Kinder und Jugendliche „damit leben können“. Dieser Vertrag wird dann regelmässig angepasst.

Weiterführende Links:

10 Goldene Regeln – Schau hin

Swissmomforum – Diskussion zum Thema Handyregeln

Mediennutzungsvertrag.de – Onlinehilfe zum Erstellen eines Handvertrages

 

Kinderbücher zum Thema „Neue Medien“

In letzter Zeit wurde ich mehrmals gefragt, welche Bücher sich zum Thema „Neue Medien“ für jüngere Kinder eignen. Hier nun eine kleine Auswahl an guten Büchern. Unser Praktikant, Jérôme Wittwer hat sie für mich zusammengefasst.

Gerne dürfen mittels Kommentar weitere Bücher empfohlen werden.

 

Das schlaue kleine Stinkerchen und das Internet – Nicola Hollenbach
Nicola Hollenbachs Werk ist ein sehr geeignetes Buch, um sehr jungen Kindern die Gefahren des Internets näher zu bringen. Barnabas, der Schurke der Geschichte, verkörpert die Gefahr des Internets auf eine Art und Weise, wie sie auch Kinder nachvollziehen können und Interesse daran finden. Die Sorgen und Geschichten des Buches behandeln aktuelle problematische Themen, die auf eine leicht verständliche und spielerische Art einem Kind nahe gelegt werden. Von den Gefahren der Spuren im Internet und gefälschten Identitäten, Internetsucht bis zu finanziellen Fallen und Privatsphäre ist in diesem kleinen Buch alles vorhanden, was ein Kind über die Gefahren und den Umgang des Internets wissen muss.
Erschienen 2010, ISBN 3-935116-37-3

 

Pixi Wissen, Internet: Richtig surfen und chatten – Brigitte Hoffmann und Sebastian Coenen

Dieses Büchlein eignet sich für Grundschulkinder, da es das wichtigste über die Grundfunktionen von Computer und Internet beinhält. Die Lerninhalte werden mit unterhaltenden Übungen und Rätsel ergänzt und machen das Internet zu einem Lernspass. Fachausdrücke und komplexere Themen des Internets werden angesprochen und es wird zudem immer auf verlässliche Internetseiten verwiesen, bei denen man Tipps nachlesen kann. Zusammen mit dem zusätzlichen Mini-Lexikon, bildet das Büchlein ein kompaktes Lehrmittel für den Umgang mit dem Internet.

Erschienen 2010, ISBN 3551240914

 

Mia, die Computermaus – Renate van Rutte, Christian Schüller, Wibke Brandes
Die Computermaus informiert weniger über den Umgang mit neuen Medien, sondern ist eher dafür gedacht sehr junge Kinder auf das Thema Computer und Computerspiele aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Die Geschichte handelt von einer Computermaus, die sich unabhängig macht und vielerlei spannende Geschichten erlebt. Ein geeignetes Buch zum Vorlesen.

Erschienen 2010, ISBN 3854521510

 

 

 

 
Falsche Freundschaft- Gefahr aus dem Internet – Brigitte Blobel
Brigitte Blobel konzentriert sich mit ihrer Geschichte vor allem auf die Gefahren des Chattens. Der11 jährige Yannick erhält einen Computer und ist sofort in dessen Bann gezogen. Yannick vernachlässigt seine sozialen Kontakte, in dem er sich lieber Freunde aus dem Internet sucht. Als er dann einen Freund namens „Kaktus“ in einem Kinderchat gefunden hat, mit dem er alles teilt und ihm alles erzählen kann, nimmt die Geschichte fast ein unschönes Ende. Sein Chatfreund stellt sich am Ende als pädophiler Straftäter heraus.
Einerseits wird hier die Thematik Internetsucht, andererseits aber auch die Gefahren des Chattens angesprochen. Die Geschichte zeigt deutlich, dass nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch soziale Kompetenzen eine wichtige Rolle für den richtigen Umgang in Chatrooms spielen. Alles in Allem ist es ein empfehlenswertes Buch, dass vielleicht etwas dicker, aber durch die tolle Schreibweise sehr einfach zu lesen ist. Besonders spannend ist das Lesen der Chatverläufe. Anhand kleiner alarmierenden Aussagen oder Fragen von „Kaktus“ kann man bereits feststellen , dass etwas nicht in Ordnung ist und versteht, wie der Mann wichtige Informationen erschleichen kann um Yannick schlussendlich aufzufinden. Die Chatverläufe im Buch können besonders gut klar machen, wie sich Jugendliche in einer Konversation über Chat verhalten sollten und auf was sie achten müssen.

Erschienen 2012, ISBN 3401027832

 

Der TV-Gucki – Bärbel Spathelf, Suzanne Szesny
Mit spielerischen Bildern und bescheidenen Texten ist dieses Bilderbuch gut geeignet Kindern verständlich zu machen, dass ein Überkonsum von Fernsehen oder sonstigen Medien negative Einflüsse auf das soziale Leben und die Gesundheit haben kann. Philip sieht zu viel Fern und spielt zu viel Videospiele wodurch seine Leistungen im Fußballteam nachlassen . Als die Mutter klar begrenzte Fernsehzeiten einführt, wird Phillip wieder besser, da er mehr trainieren kann. Das Bilderbuch ist für jüngere Kinder sehr geeignet und hat einen pädagogisch Wertvollen Inhalt.

Erschienen 2005, ISBN 3865590071

Über den Umgang mit den neuen Medien

Wie lange darf mein Sohn youtube Videos konsumieren? Ist es normal, dass sich meine Tochter jeden Tag auf Facebook einloggt? Darf ich meinem Kind ein Smartphone kaufen? Gibt mir die Handyrechnung Aufschluss über die Handynutzung meines Sohnes?

Durch Computer, Fernseher, Handy, Smartphone, usw. entstehen Themen, die heute die Erziehung neu zu definieren scheinen. Als Eltern steht man wohl immer wieder von Neuem am Berg und Rat finden, ist schwierig, denn Bücher zu diesen Themen neigen dazu, beim Erscheinen schon veraltet zu sein. Das Internet hilft weiter, es gibt eine Unzahl von Ratgeberseiten – doch läuft man beim Rat suchen Gefahr, sich selber im Netz zu verlieren, denn die Fülle an Informationen führt zu einer Vielzahl von Antworten – welches ist denn nun die richtige?

Für unsere Eltern- und Erwachsenenkursen diskutieren wir unbeantwortete Fragen immer wieder, erforschen das Internet nach Expertenantworten und studieren Statistiken.

In diesem Beitrag stelle ich daher, aus meiner professionellen Sicht als Jugendarbeiter und aus der Sicht als Familienvater einige Aspekte der Erziehung rund um „neue Medien“ zur Diskussion und Anregung.

Geburt bis Kindergartenalter
Experten sind sich einig, dass Kleinkinder unter 4 Jahren noch keinen Zugang zu Geräten der Neuen Medien brauchen. Und doch kann man beobachten, dass bereits Kinder, die jünger als ein Jahr alt sind, sich mit einem Smartphone beschäftigen können. (Studien zu diesem Thema liegen kaum vor, so bezieht sich diese Beobachtung auf mein Umfeld und diverse Behauptungen aus dem Internet.)

Ich selber, als Vater von vier Töchtern und begeisterter Beobachter der Entwicklung neuer Medien bin der Meinung, Kinder dürfen durchaus Kontakt zu Geräten wie Smartphones und Tablets haben, denn sie bieten super Möglichkeiten der Frühförderung. Die Bildschirmzeit sollte aber sehr begrenzt sein (z.B. ein- bis zweimal die Woche 15 Minuten) und die Eltern sollen genau wissen, was das Kind mit dem Gerät macht!

Im Kindergartenalter gibt es beispielsweise wunderbare Apps, die sich dem vorschulischen Lernen widmen (z.B. von Lernerfolg Grundschule die Apps Prinzessin Lillifee und Kapitan Sharky). Ist ein Kind interessiert, so kann ein regelmässiger Kontakt mit solchen Apps auf einem Tablet Computer (z.B. dem IPad) sinnvoll sein. Auch hierbei gehe ich davon aus, dass die Eltern genau wissen, was ihr Kind macht!

Die ersten drei Schuljahre
Die Schule erwartet neuerdings im Kanton Bern von allen Kindern der dritten Klasse, dass sie selbständig am Computer Französisch lernen können. Damit die Kinder dazu bereit sind, würde ich empfehlen, ab der ersten Klasse zwischendurch mit dem Kind ab und an am Computer zu arbeiten. Die meisten Kinderhände sind in diesem Alter in der Lage, mit einer Maus und Tastatur umzugehen. (Unsere Kinder übten dies mit den leider nicht mehr erhältlichen Lernspielen von Peterson und Findus).

Ein erstes multimediales Bedürfnis welches ein eigenes Gerät notwendig machen könnte ist das Musik hören. Ein eigener MP3 Player kann so bereits in der Unterstufe ein Thema sein. Hierzu gilt es aber zu bedenken, dass Ohren bei zu lauter Lautstärke schnell Schaden nehmen. (Die IPods von Apple haben eine Lautstärkenbegrenzung, die ich persönlich als sehr gut einstufe.)

Mittelstufe
Die grosse Spannweite in der Entwicklung der Kinder macht es schwierig, für diese Lebensjahre genaue Empfehlungen abzugeben. Einigkeit herrscht unter den Experten darin, dass Kinder unter 10 Jahren nicht alleine im Internet unterwegs sein sollen. Der Familien Computer an einer gut einsehbaren Stelle steht, also fürs schulische Lernen ausreichend.

Viele Kinder wollen aber bereits in dieser Lebensphase mit ihren Freund/innen online in Kontakt sein. War vor wenigen Jahren das Handy das Objekt der Begierde so könnte dies heute z.B. der IPod Touch von Apple sein. Miteinander chatten, Nachrichten versenden, Musik hören, Computerspiele spielen, aber auch Youtube Videos ansehen und Internet Recherchen usw. machen diese Geräte extrem interessant – besonders weil zu Hause im eigenen WLAN keine Kosten durch die Nutzung entstehen.

Wir haben unseren Kindern (7 und 10 Jahre) den Erwerb eines ipod und ipod touch erlaubt und begleiten sie bei der Nutzung durch klare Regeln und sinnvolle Einschränkungen (20 Minuten/Tag, Internet und Youtube nur wenn wir daneben sitzen, Installieren von Software nur mit uns, usw.). Ähnlich würde ich auch das Thema Spielkonsole regeln – war aber bei unseren Kindern bisher kein Thema. In Deutschland besitzen etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren ein eigenes Handy und/oder einen eigenen MP3 Player (Quelle: KIM Studie 2010)

Oberstufe

Nach Rücksprache mit diversen Oberstufenschulen steht für mich fest, Jugendliche sollten ab der 7. Klasse in der Lage sein, in der Schule selbständig im Internet zu recherchieren und sich bestmöglich abgrenzen können, damit sie sich nicht im Netz verlieren bzw. erkennen, wenn ihnen ungute Sites begegnen und sie sich Rat bei einer erwachsenen Person holen müssen. Dazu ist aber wichtig zu wissen, dass die Schulen in der Schweiz meistens mit einem relativ guten Internetfilter (Swisscom nennt diesen Web Content Screening) ausgestattet sind. Diese Filter sollen die Kinder und Jugendlichen vor ungewollten Suchresultaten schützen und z.B. pornographische oder Gewalt verherrlichende Inhalte verbergen. Solche Filter kann man auch zu Hause installieren (am besten beim Provider nachfragen).

Ein weiteres Thema sind die Sozialen Netzwerk Seiten. Hierzu findet man Infos unter „Was macht Facebook für Jugendliche so spannend“ und in der Broschüre zum Facebook Schnupperkurs für Eltern.

Handy, resp. Smartphone

Viele Eltern sind froh, ihre Kinder mittels Handy zu erreichen. Auch das Kind lernt, dass es praktisch ist, erst unterwegs mit den Eltern die Zeit zum nach Hause kommen zu besprechen… So sollte man zuerst klären, wer welches Interesse zwecks Handy hat. Ich bin überzeugt, dass zum Erlernen der Planungskompetenzen und Zuverlässigkeit ein Handy hinderlich ist, in einem richtigen Notfall aber ein Segen sein kann.

Ich persönlich finde keine Gründe, die für ein Smartphone sprechen (extrem teuer, freies Internet beinahe überall, …) wo hingegen ein einfaches Handy mit einem Prepay Abonnement je nach Bewegungsradius des Jugendlichen sinnvoll sein kann.

Zusammenfassend

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland hat folgende Empfehlung publiziert (Quelle: Lehrer-online.de):

Sieht man von meinen Ausführungen zur Tablett- oder Smartphonenutzung der Ein- bis Dreijährigen ab, so würde ich diesen Empfehlungen im Sinne von maximalen Richtlinien zustimmen.

Ab der 5. Klasse empfiehlt Martin Kohn in seinem Buch „Hilfe, mein Kind hängt im Netz“ (2010, Deutschland) eine Nutzungsdauer von 1 bis 2 Stunden je Tag (Internet und Fernsehen zusammengerechnet). Auch diese Empfehlung würde ich als Maximalwert mit „akzeptabel“ einstufen. Schaut man in die JIM Studie 2011, so verbringt in Deutschland diese Altersgruppe an einem durchschnittlichen Werktag immerhin 134 Minuten im Internet und 113 Minuten vor dem Fernseher!

Eine weitere wichtige Faustregel ist der Vergleich zwischen Bildschirmzeit und der Zeit draussen. Besteht hier eine Ausgewogenheit, so kann man von einer gesunden Entwicklung ausgehen. Vorausgesetzt die Kinder hängen mit 11 Jahren nicht bis nachts um 22.00 Uhr draussen rum; unbeaufsichtigt und alleine unter Kollegen:-) und der Computer oder das Smartphone befinden sich nicht im Zimmer, mit WLAN Zugang und das Kind ist nachts online und tagsüber draussen unterwegs:-)