Virtuelle Jugendarbeit

Ein Angebot der Regionalen Kinder- und Jugendfachstelle Täuffelen – Ins – Erlach

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Spiele erlauben oder verbieten?

Folgende Frage (ich habe alle Angaben geändert) wurde vor kurzem an mich gerichtet. Da mir schon oft ganz ähnliche Fragen gestellt wurden, werde ich diese als Beispiel hier veröffentlichen:

Ich bin der Vater von Jan (7. Klasse) und habe eine Frage zum Game Overwatch.

Jan’s Kollegen spielen dieses Spiel nun seit ein paar Monaten und sind offensichtlich begeistert – in den letzten paar Tagen liegt Jan mir wieder (nach einer längeren Pause) in den Ohren, ob er dieses Spiel nun endlich auch haben dürfe (er wird morgen 13 Jahre alt).

Wir hatten vor etwa einem halben Jahr schon darüber gesprochen und ich hatte es ihm nicht erlaubt. Ich hatte mich im Internet schlau gemacht und das nach diesen Abklärungen so entschieden und ihm auch begründet.

Wie Sie ja wahrscheinlich wissen ist Overwatch in Deutschland erst ab 16 Jahren freigegeben (USK) – in der Schweiz (leider) gemäss PEGI ab 12 Jahren, was Jans Kollegen natürlich als wichtiges Argument aufführen.

Ich habe gelesen, dass alle Ego-Shooter-Games in Deutschland erst ab 16 freigegeben werden. Ich persönlich halte das auch für richtig, denn eine Spielweise aus der Sicht des Angreifers mit einer Waffe in der Hand, ist gegen meine Überzeugung.

Es ist mir bewusst, dass Overwatch bei weitem nicht das schlimmste Spiel dieser Art ist und es teilweise in den Medien sogar gelobt wird. Ich frage mich einfach was nachher kommt, wenn nach Overwatch ein neuer „Kick“ gebraucht wird! Gerne hätte ich diese „Kicks“ etwas hinausgeschoben!

Der drei Jahre jüngere Bruder Hans ist im Moment happy mit Minecraft, aber wie lange noch?

Leider fühlt sich Jan mittlerweile etwas ausgegrenzt und er riskiert den Kontakt zu seinen besten Kollegen immer mehr zu verlieren, was ich auch schade finde! Ich hatte es recht toll gefunden, wie sie früher in der Gruppe zusammen Minecraft via Skype gespielt hatten.

Können Sie mir einen Rat geben? Sehe ich das zu eng?

 

Meine Antwort:

Als Vater will ich meinen Kindern viele Dinge beibringen. Dazu gehören auch gewisse Werte und Normen die mir wichtig sind. Overwatch ist tatsächlich gemäss PEGI ab 12 (in Deutschland werden Shooter Spiele in der Regel tatsächlich erst ab 16 Jahren freigegeben, darum der Unterschied) – das bedeutet, Jugendliche ab 12 Jahren sollten keinen Schaden nehmen, wenn sie dieses Spiel spielen… Nun wird aber in diesem Spiel eine Form der Gewalt dargestellt, die ich auch meinen Kindern nicht zeigen will – ich gehe mit ihnen auch nicht in eine Paintball Halle, obwohl sie dort gemäss Altersangabe hingehen dürften… oder anders gesagt, es gibt Dinge, die dürfen meine Kinder nicht, weil ich nicht will dass sie diese Dinge machen – auch wenn andere das dürfen. Manchmal ist das schwierig hinzunehmen und noch schwieriger durchzusetzen. Nie wird das aber der einzige Grund sein, dass ein Kind ausgegrenzt wird. Leider sind viele Eltern schnell an ihrem Limmit und geben es auf, ihre Grenzen durchzusetzen.

Es gibt da aber auch eine andere Möglichkeit das Thema anzugehen. Will mein Kind unbedingt ein solches Spiel Spielen, so kann ich mich gemäss PEGI mal grundsätzlich darauf verlassen dass es keinen Schaden nimmt. Begleite ich nun das Spiel als Vater mit Interessen, so wird diese Welt zwar betreten, die Kinder geniessen aber den Schutz des Austausches mit den Eltern. Man spricht gemeinsam über das gesehene, das erlebte. Das kann zur Folge haben, dass man als Vater zum Schluss kommt, das Spiel ist wirklich „nur“ ein Spiel und Die Kinder spielen da genauso wie in der Minecraft Welt – auch dort werden sie viel gekämpft haben. Hier ist es sehr wichtig hinzuschauen, wie das Kind nach dem spielen „zwäg“ ist. Entsprechend können die Regeln bezüglich Spielsequenzen (Dauer und Anzahl) dann definiert werden.

Wie sie richtig erwähnen, gibt es eine viel Zahl Kinder und Jugendliche die GTA V oder Call of Duty, etc. spielen. Die sind auch in der Schweiz ab 18 und definitiv nicht für 12 jährige geeignet. Trotzdem kenne ich auch hier Väter, die gemeinsam mit ihrem Kind GTA V spielen und in diesem Spiel ihr Kind „beschützen“ und so gute Erfahrungen machen…

Falls Sie sich einen weiteren Einblick in das Spiel verschaffen wollen, so empfehle ich ihnen einmal unter http://www.twitch.tv nach dem Spiel zu suchen und dort einem Spielenden zuzuschauen. Die Gamer kommentiere dort ihr Spiel – dies gibt auch Aufschluss über die Gängige Sprache der Spielenden. Für mich ist das oft ein Grund, ein Spiel nicht zu erlauben – will ich doch nicht, dass mein Kind diese Sprache kopiert.

Auf jeden Fall empfehle ich ihnen, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen und nichts zu erlauben, dass sie nicht vertreten können.

Whatsapp vs. KIK – was ist gefährlicher?

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Quelle: pixabay.com

Anonyme Anmeldung bei Kik-App nutzt Triebtätern

Polizei und Jugendschützer warnen vor der neuen „Kik“-App, da sie offenbar ein beliebter Umschlagplatz für Pädophile ist.

Im Gegensatz zu Whatsapp ist man bei Kik nicht mit seiner Telefonnummer oder dem richtigen Namen angemeldet, sondern mit einem Nickname, der es einem erlaubt, anonym mit fremden Personen in Kontakt zu treten.

Solche Schlagzeilen machten im Jahr 2013 in vielen Medien die Runde. Aber wie ist das nun wirklich? Ist KIK gefährlich und Whatsapp nicht?

Tatsächlich ist es für Menschen mit unlauteren Absichten und für Kinder mit einem IPod Touch einfach eine KIK Identität zu erstellen, während es für Whatsapp eine Telefonnummer braucht, braucht es bei KIK lediglich eine Emailadresse. Diese kann man relativ einfach und ohne direkte personenbezogene Spuren zu hinterlassen bei einem Anbieter eröffnen. Cyber-Grooming (Gezielte Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte, im deutschsprachigem Raum primär mit Minderjährigen Quelle: Wikipedia) wird so einfach.

Doch wie findet ein potentieller Täter sein Opfer? Bei KIK hat jede Nutzerin, jeder Nutzer einen Nickname. Erst wenn ein potentieller Täter diesen kennt, kann er mit dem Opfer in Verbindung treten und auch dann nur, wenn das Opfer dieses in Verbindung treten auch zulässt (für jeden neuen Chat gibt es zuerst eine Chat Anfrage die angenommen werden muss).

Eine Gefahr besteht also erst dann, wenn Kinder und Jugendliche ihren Nickname irgendwo veröffentlichen oder sich nicht an die Grundregeln bei der Wahl eines Nicknames halten (Fantasynamen der keine persönliche Angaben beinhaltet).

Beispiel (frei erfunden):

„Anita ist 10 Jahre alt. Ihr KIK Nickname lautet „anita10“. Auf ihrem Instagram Profil hat sie ihren Nikname für alle sichtbar gepostet. Zusätzlich hat sie bei der Installation der APP Instagram die Ortung nicht deaktiviert.

Herr Sexualstraftäter findet sie jetzt auf Instagram. Anita gefällt ihm auf anhieb – dies schreib er mit einem Kommentar unter ein Selfie. Anita fühlt sich geschmeichelt.

Herr Sexualstraftäter findet nun ihren Nickname und erahnt dadurch auch Anitas Alter. Er klickt auf das Symbol für Ortungsdaten und findet heraus, wo Anita die meissten Bilder hochgeladen hat. So erahnt er, wo Anita wohnt.

Via KIK nimmt er mit ihr Kontakt auf, dort heisst er toni11. Er erwähnt wie toll er ihr Bild auf Instagram gefunden hat. In der Annahme, toni11 sei ein netter Junge geht Anita auf diese Chateinladung ein und kommt so mit Herrn Sexualstraftäter in Kontakt. Mittels gekonnten Fragen findet dieser heraus wann Anita alleine zu Hause ist und plant so einen Besuch ….“

Kinder und Jugendliche posten in der Regel nie ihre Handynummer online – sind sich aber nicht bewusst, dass der KIK Nickname den selben Stellenwert hat! Entsprechende Aufklärung ist hier also Elementar.

Die viel verbreitetere Gefahr, in einem Gruppenchat beleidigt oder „gemobbt“ zu werden besteht gleichermassen, egal ob Whatsapp, KIK oder sonst einen Messenger.

twitter-292993_1920Mein Rat, KIK, Instagram, Whatsapp und Co. Als Eltern eng begleiten. Müsste ich einen Messenger empfehlen, so wäre das Threema. Nicht weil der bezüglich Cybermobbing sicherer ist, aber weil dort die Kommunikation für den Dienstleister nicht einsehbar ist.

Altersangaben:

Whatsapp

Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen:

„9. Ability to Accept Terms of Service

You affirm that you are either more than 16 years of age, …“

App Store:

„Kennzeichnung: 4+“

Google Play Store

„Pegi 3“

KIK

Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen:

„…You must be at least 13 years old to use any Site or Product…“

App Store:

„Kennzeichnung: 17+“

Google Play Store

„Begleitung eines Erwachsenen“