Virtuelle Jugendarbeit

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Whatsapp vs. KIK – was ist gefährlicher?

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Quelle: pixabay.com

Anonyme Anmeldung bei Kik-App nutzt Triebtätern

Polizei und Jugendschützer warnen vor der neuen „Kik“-App, da sie offenbar ein beliebter Umschlagplatz für Pädophile ist.

Im Gegensatz zu Whatsapp ist man bei Kik nicht mit seiner Telefonnummer oder dem richtigen Namen angemeldet, sondern mit einem Nickname, der es einem erlaubt, anonym mit fremden Personen in Kontakt zu treten.

Solche Schlagzeilen machten im Jahr 2013 in vielen Medien die Runde. Aber wie ist das nun wirklich? Ist KIK gefährlich und Whatsapp nicht?

Tatsächlich ist es für Menschen mit unlauteren Absichten und für Kinder mit einem IPod Touch einfach eine KIK Identität zu erstellen, während es für Whatsapp eine Telefonnummer braucht, braucht es bei KIK lediglich eine Emailadresse. Diese kann man relativ einfach und ohne direkte personenbezogene Spuren zu hinterlassen bei einem Anbieter eröffnen. Cyber-Grooming (Gezielte Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte, im deutschsprachigem Raum primär mit Minderjährigen Quelle: Wikipedia) wird so einfach.

Doch wie findet ein potentieller Täter sein Opfer? Bei KIK hat jede Nutzerin, jeder Nutzer einen Nickname. Erst wenn ein potentieller Täter diesen kennt, kann er mit dem Opfer in Verbindung treten und auch dann nur, wenn das Opfer dieses in Verbindung treten auch zulässt (für jeden neuen Chat gibt es zuerst eine Chat Anfrage die angenommen werden muss).

Eine Gefahr besteht also erst dann, wenn Kinder und Jugendliche ihren Nickname irgendwo veröffentlichen oder sich nicht an die Grundregeln bei der Wahl eines Nicknames halten (Fantasynamen der keine persönliche Angaben beinhaltet).

Beispiel (frei erfunden):

„Anita ist 10 Jahre alt. Ihr KIK Nickname lautet „anita10“. Auf ihrem Instagram Profil hat sie ihren Nikname für alle sichtbar gepostet. Zusätzlich hat sie bei der Installation der APP Instagram die Ortung nicht deaktiviert.

Herr Sexualstraftäter findet sie jetzt auf Instagram. Anita gefällt ihm auf anhieb – dies schreib er mit einem Kommentar unter ein Selfie. Anita fühlt sich geschmeichelt.

Herr Sexualstraftäter findet nun ihren Nickname und erahnt dadurch auch Anitas Alter. Er klickt auf das Symbol für Ortungsdaten und findet heraus, wo Anita die meissten Bilder hochgeladen hat. So erahnt er, wo Anita wohnt.

Via KIK nimmt er mit ihr Kontakt auf, dort heisst er toni11. Er erwähnt wie toll er ihr Bild auf Instagram gefunden hat. In der Annahme, toni11 sei ein netter Junge geht Anita auf diese Chateinladung ein und kommt so mit Herrn Sexualstraftäter in Kontakt. Mittels gekonnten Fragen findet dieser heraus wann Anita alleine zu Hause ist und plant so einen Besuch ….“

Kinder und Jugendliche posten in der Regel nie ihre Handynummer online – sind sich aber nicht bewusst, dass der KIK Nickname den selben Stellenwert hat! Entsprechende Aufklärung ist hier also Elementar.

Die viel verbreitetere Gefahr, in einem Gruppenchat beleidigt oder „gemobbt“ zu werden besteht gleichermassen, egal ob Whatsapp, KIK oder sonst einen Messenger.

twitter-292993_1920Mein Rat, KIK, Instagram, Whatsapp und Co. Als Eltern eng begleiten. Müsste ich einen Messenger empfehlen, so wäre das Threema. Nicht weil der bezüglich Cybermobbing sicherer ist, aber weil dort die Kommunikation für den Dienstleister nicht einsehbar ist.

Altersangaben:

Whatsapp

Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen:

„9. Ability to Accept Terms of Service

You affirm that you are either more than 16 years of age, …“

App Store:

„Kennzeichnung: 4+“

Google Play Store

„Pegi 3“

KIK

Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen:

„…You must be at least 13 years old to use any Site or Product…“

App Store:

„Kennzeichnung: 17+“

Google Play Store

„Begleitung eines Erwachsenen“

 

Wie funktioniert das Internet

Das Internet gibt es schon sehr lange. Erfunden wurde es ca. 1969, seit 1989 haben theoretisch alle Zugang dazu. Aber wo ist es?

Die Idee, es sei in einem geheimen Raum irgendwo in Amerika mit dicken Mauern oder sogar irgendwo im Weltall wo man via Satellit draufkommt hat richtige Ansätze, die Antwort ist aber viel einfacher:

Das Internet ist beinahe überall – denn alle Computer, Smartphones, Tablets, Server, etc. die mit dem Internet verbunden sind, sind das Internet. Oder genauer, die Kabel, Satelliten oder Handyantennen mit den damit verbundenen Geräten, bilden das Internet. Das WWW vor einer Internetadresse bedeutet nämlich world wide web (Welt weites Netz).

Dabei unterscheidet man zwischen den Server – den Geräten die Inhalte bereitstellen (z.B. die Server von Google, Facebook, Instagram, WhatsApp, Clash of Clans, Kik, … oder auch dein Smartphone, wenn es z.B. als Minecraft Host dient) und den Geräten, die diese Inhalte nutzen (Client).

Sendest du also ein Foto über WhatsApp an deinen Freund oder deine Freundin, so wird das Foto von deinem Smartphone auf den Server von WhatsApp (wahrscheinlich in Amerika) geladen und dort gespeichert. Anschliessend bekommt dein Freund oder deine Freundin eine Kopie dieses Bildes. Dein Bild ist nach dieser Aktion also zumindest auf drei Computern gespeichert (zwei Smartphones und einem Server).