Virtuelle Jugendarbeit

Ein Angebot der Regionalen Kinder- und Jugendfachstelle Täuffelen – Ins – Erlach

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Kinderbücher zum Thema „Neue Medien“

In letzter Zeit wurde ich mehrmals gefragt, welche Bücher sich zum Thema „Neue Medien“ für jüngere Kinder eignen. Hier nun eine kleine Auswahl an guten Büchern. Unser Praktikant, Jérôme Wittwer hat sie für mich zusammengefasst.

Gerne dürfen mittels Kommentar weitere Bücher empfohlen werden.

 

Das schlaue kleine Stinkerchen und das Internet – Nicola Hollenbach
Nicola Hollenbachs Werk ist ein sehr geeignetes Buch, um sehr jungen Kindern die Gefahren des Internets näher zu bringen. Barnabas, der Schurke der Geschichte, verkörpert die Gefahr des Internets auf eine Art und Weise, wie sie auch Kinder nachvollziehen können und Interesse daran finden. Die Sorgen und Geschichten des Buches behandeln aktuelle problematische Themen, die auf eine leicht verständliche und spielerische Art einem Kind nahe gelegt werden. Von den Gefahren der Spuren im Internet und gefälschten Identitäten, Internetsucht bis zu finanziellen Fallen und Privatsphäre ist in diesem kleinen Buch alles vorhanden, was ein Kind über die Gefahren und den Umgang des Internets wissen muss.
Erschienen 2010, ISBN 3-935116-37-3

 

Pixi Wissen, Internet: Richtig surfen und chatten – Brigitte Hoffmann und Sebastian Coenen

Dieses Büchlein eignet sich für Grundschulkinder, da es das wichtigste über die Grundfunktionen von Computer und Internet beinhält. Die Lerninhalte werden mit unterhaltenden Übungen und Rätsel ergänzt und machen das Internet zu einem Lernspass. Fachausdrücke und komplexere Themen des Internets werden angesprochen und es wird zudem immer auf verlässliche Internetseiten verwiesen, bei denen man Tipps nachlesen kann. Zusammen mit dem zusätzlichen Mini-Lexikon, bildet das Büchlein ein kompaktes Lehrmittel für den Umgang mit dem Internet.

Erschienen 2010, ISBN 3551240914

 

Mia, die Computermaus – Renate van Rutte, Christian Schüller, Wibke Brandes
Die Computermaus informiert weniger über den Umgang mit neuen Medien, sondern ist eher dafür gedacht sehr junge Kinder auf das Thema Computer und Computerspiele aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Die Geschichte handelt von einer Computermaus, die sich unabhängig macht und vielerlei spannende Geschichten erlebt. Ein geeignetes Buch zum Vorlesen.

Erschienen 2010, ISBN 3854521510

 

 

 

 
Falsche Freundschaft- Gefahr aus dem Internet – Brigitte Blobel
Brigitte Blobel konzentriert sich mit ihrer Geschichte vor allem auf die Gefahren des Chattens. Der11 jährige Yannick erhält einen Computer und ist sofort in dessen Bann gezogen. Yannick vernachlässigt seine sozialen Kontakte, in dem er sich lieber Freunde aus dem Internet sucht. Als er dann einen Freund namens „Kaktus“ in einem Kinderchat gefunden hat, mit dem er alles teilt und ihm alles erzählen kann, nimmt die Geschichte fast ein unschönes Ende. Sein Chatfreund stellt sich am Ende als pädophiler Straftäter heraus.
Einerseits wird hier die Thematik Internetsucht, andererseits aber auch die Gefahren des Chattens angesprochen. Die Geschichte zeigt deutlich, dass nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch soziale Kompetenzen eine wichtige Rolle für den richtigen Umgang in Chatrooms spielen. Alles in Allem ist es ein empfehlenswertes Buch, dass vielleicht etwas dicker, aber durch die tolle Schreibweise sehr einfach zu lesen ist. Besonders spannend ist das Lesen der Chatverläufe. Anhand kleiner alarmierenden Aussagen oder Fragen von „Kaktus“ kann man bereits feststellen , dass etwas nicht in Ordnung ist und versteht, wie der Mann wichtige Informationen erschleichen kann um Yannick schlussendlich aufzufinden. Die Chatverläufe im Buch können besonders gut klar machen, wie sich Jugendliche in einer Konversation über Chat verhalten sollten und auf was sie achten müssen.

Erschienen 2012, ISBN 3401027832

 

Der TV-Gucki – Bärbel Spathelf, Suzanne Szesny
Mit spielerischen Bildern und bescheidenen Texten ist dieses Bilderbuch gut geeignet Kindern verständlich zu machen, dass ein Überkonsum von Fernsehen oder sonstigen Medien negative Einflüsse auf das soziale Leben und die Gesundheit haben kann. Philip sieht zu viel Fern und spielt zu viel Videospiele wodurch seine Leistungen im Fußballteam nachlassen . Als die Mutter klar begrenzte Fernsehzeiten einführt, wird Phillip wieder besser, da er mehr trainieren kann. Das Bilderbuch ist für jüngere Kinder sehr geeignet und hat einen pädagogisch Wertvollen Inhalt.

Erschienen 2005, ISBN 3865590071

Projekt „Street Story“

Die Jugendlichen werden in unserer Kultur sehr oft als problematisch wahrgenommen.  Sie bewegen sich im öffentlichen Raum, „besetzten“ Plätze und Räume und leben anscheinend ihre Träume aus.

Die Jugendarbeit will sich ihren Bedürfnissen annehmen, Jugendkommissionen sind gewillt ihnen Raum zu geben, Gemeinden stellen Geld zur Verfügung …, was fehlt, sind einzig und alleine das konkrete Wissen um ihre Wünsche.

„Erzähle mir etwas, und ich werde es vergessen.

Zeige mir etwas, und ich werde mich vielleicht nicht daran erinnern.

Beteilige mich, und ich werde verstehen.“

Sprichwort der amerikanischen Ureinwohner

ss2Im Rahmen meiner Ausbildung zum Erlebnispädagogen NDS HF bin ich dieser Thematik mit „Neuen Medien“ nachgegangen. Ich wurde dabei in meiner Überzeugung gestärkt, dass eine neutrale nicht wissende Begleitung der Jugendlichen in ihrem Sozialraum mit einer Filmkamera das Feld dieser Bedürfnisabklärung erweitert. In meiner Diplomarbeit habe ich das Projekt „Street Story“ ausgearbeitet und im Feld getestet. Gerne stelle ich hier diese Arbeit Interessierten zur Verfügung.

 

Kurzbeschrieb der Methode „Street Story“

  1. Im Jugendtreff, einem Projekt oder über Soziale Netzwerke (Bsp. Facebook) wird im ersten Schritt ein Jugendlicher dazu motiviert, einem Jugendarbeiter seine Welt, sein Dorf mit all seinen „Spielplätzen“ und mit ihnen einher gehende Wünsche vor laufender Kamera zu zeigen bzw. darstellen.
  2. Im zweiten Schritt wird der Jugendliche zusammen mit dem Jugendarbeiter den groben Filmplan und den Ausgangsort des Filmens besprechen (Screenplay).
  3. Im Shooting (Dreh) wird nun während zwei bis drei Stunden prozessorientiert gefilmt.
  4. Anschliessend wird das gefilmte Material im Jugendbüro mit dem Jugendlichen gesichtet, ein Filmziel und ein Zielpublikum definiert, sowie danach der Film geschnitten (Cut).
  5. Der fertige Film wird nun einer vom Jugendlichen definierten Gruppe gezeigt.

ss1Gerne würde ich an dieser Stelle ein Youtube Link zu den entstandenen Filmen platzieren. Da aber immer die Jugendlichen entscheiden, in welcher Form die Filme veröffentlicht werden, habe ich diesbezüglich keine Rechte.

Der in der Arbeit genannte Film wurde unter anderem dem lokalen Gemeinderat gezeigt und hat diesen immerhin zum Nachdenken angeregt. Für uns Jugendarbeiter/innen gab er Aufschluss über wichtige Plätze, die wir noch  drei Jahre später zeitweise aufsuchen.

Schulmodul zu Neuen Medien – ein Beispiel

Ich wurde in der letzten Zeit oft gefragt, „Wie geht ihr zum Thema Neue Medien in die Schulen“. Im vorliegenden Beitrag werde ich unser Modul „Ich und das Netz – Praktische Tipps“, welches wir von der 5. bis zur 7. Klasse anbieten, vorstellen. Das Modul besteht aus einem Teil mit der Schulklasse und einem Elternabend im Anschluss.

Wer nach lesen dieses Textes gerne mehr darüber erfahren möchte, darf sich direkt mit mir in Verbindung setzen.

Beschrieb „Ich und das Netz – praktische Tipps“
Jugend online und Neue Medien – Kompetenzen erwerben im Umgang mit Social Communities, Chat, Apps, Youtube, etc.

Zielsetzung:

Kennenlernen und Informationen erhalten über…

  • Grundsätze und Regeln im Internet
  • Werkstattarbeit zu Themen wie „Soziale Netzwerkseiten“, „Handy“, „Gamen“, „Chat“, „Fotos 
im Netz“, „Videos und Musik“, „Spuren im Netz“, „Internet allgemein“
  • Verhaltensregeln bei Vorkommnissen; rechtliche Aspekte
  • Die SuS (Schülerinnen und Schüler) kennen das Angebot der Jugendarbeit, um sich bei Problemen Hilfe zu holen

Pädagogische Zielsetzungen
:

  • Die SuS reflektieren ihr eigenes Verhalten im und mit dem Netz
  • Die SuS wissen um ihre notwendigen Verbesserungenschritte und können diese alleine umsetzen
  • Jede Klasse erarbeitet für sich einen „Netz-Codex“, welcher ihre internen und eigenen Abmachungen 
untereinander im Zusammenhang mit dem Internet festhält; der „Netz-Codex“ hängt im
 Klassenzimmer
  • Die SuS erarbeiten Wissen und präsentieren dieses der Klasse und anhand von Plakaten den Eltern am
 Elternabend

Methoden
:

  • Gruppenarbeiten und –spiele; Einzelarbeiten
  • Film „Netzangriff“ 45’; diverse Kurzfilme je nach Werkstattschwerpunkte
  • Werkstätte zu den einzelnen Themen, die immer auch miteinander in Verbindung stehen
  • Referat der Fachpersonen
  • Allenfalls Rollenspiele, Bewegungssequenzen, Aktivierungsspiele
  • Auswertung, Komplimente und Stärkung der Gruppe(n) anhand des „Netz-Codex“

Zeitaufwand:

5 bis 
6 Lektionen

Ablauf:

Warming up

  • Sich gegenseitig kennenlernen
  • Interaktionsspiel zur Frage: „Welches Potential ist im Bezug zu den Neuen Medien bei den SuS vorhanden?“
  • aktueller Kurzfilm, z.B. „Steffi gefällt das
  • Anliegen und Fragen aus den Klassen sammeln (In 2er oder 3er Gruppen, geschlechtergetrennt aufschreiben)

Film „Netzangriff“ 1. Teil – Problemlage

  • Erkennen von Konsequenzen und Problemstellungen bei Nichteinhalten von Grundsätzen und Regeln im Internet

Werkstätte zu Themenblöcken und anschl. Präsentation vor Klasse

  • Aufgrund der Fragen und Anliegen passend zusammen gestellte Themenblöcke durch die Jugendarbeit
  • Gruppenarbeiten mit Arbeitsblättern, Informationsmaterial, Wissenstools, allenfalls praktischen online Beispielen, usw. zum jeweiligen Themenblock
  • Plakat oder Präsentation erstellen mit den wichtigsten Hinweisen, Merkpunkten, Regeln, usw. und diese der Klasse präsentieren (Plakat wird von Fachpersonen an den Elternabend mitgebracht)

Pause (idealer weise Mittagspause)

Film „Netzangriff“ 2. Teil – Lösungsfindung

  • Handlungsansätze und mögliche Schritte für Jugendliche werden gezeigt

Wissensinput der Fachpersonen

  • Referatsteil; noch nicht genannte Punkte werden aufgegriffen und erklärt
  • Fehlende Antworten geliefert

„Netz-Codex“ der Klasse erarbeiten

  •  Eigene interne Abmachungen schriftlich festhalten und im Klassenzimmer aufhängen (in der Regel 4 bis 6 Abmachungen)

Kurze Auswertung mit Schlussrunde

Haltung der Fachpersonen

Wir gehen davon aus, dass Jugendliche fit sein müssen fürs Internet da dies Medium mittlerweile einen festen Stand in unserer Gesellschaft geniesst. Kinder und Jugendliche müssen stetig und sorgsam auf die Nutzung vorbereitet werden und dies beginnt bereits im Kindesalter, wenn die ersten Spiele gespielt, die ersten Recherchen für die Schule im Internet gemacht werden müssen oder ein Gerät wie beispielsweise der ipod touch den Weg ins Kinderzimmer findet.
Fit sein bedeutet für uns, Wissen haben und anwenden können, Chancen von Onlinemöglichkeiten kennen und gezielt einsetzen, Risiken aufzeigen und benennen und zwischen der realen und virtuellen Welt eine Brücke zu sehen, die es immer wieder zu überqueren gilt.
In der Oberstufe sollten Schüler/innen selbständig im Internet recherchieren und sich von „gefährlichen“ Inhalten distanzieren können.
Wichtiges Leitmotiv: zuerst ÜBERLEGEN, dann KLICKEN! oder entsprechend NICHT KLICKEN oder WEGSCHAUEN!

Der Computer, Fernseher und das WLAN gehören nicht ins Kinderzimmer und ipods oder Smartphones brauchen diesbezüglich entsprechende Regeln und Kontrollen!
Im Jugendzimmer dagegen sind klare Abmachungen oder kleine Verträge zwischen Eltern und Jugendlichen über Onlinezeiten, erlaubten und nicht erlaubten Seiten oder Kontrollen/ Konsequenzen bei Vertrauensbruch oder Misstrauen empfehlenswert und sinnvoll.
Wichtiges Leitmotiv: Kindersicherungen sind eine Möglichkeit Grenzen zu setzen – Gespräche und Verhandlungen besser!

Modalitäten Voraussetzungen

  • Die Lehrpersonen haben vom Angebot der Regionalen Offenen Jugendarbeit Kenntnis und wissen welche Inhalte die Jugendarbeit abdecken kann.
  • Die Lehrpersonen betten das Modul „Ich und das Netz – praktische Tipps“ in ihre Arbeit zu diesem Thema wenn immer möglich ein.
  • Die Fachpersonen der regionalen Jugendarbeit übernehmen im Modul nicht die Rolle der Lehrperson sondern bieten eine Ergänzung und eine Vertiefung des Themas „Neue Medien“ an.
  • Diese Einheit wird nicht benotet.
Leistungen
Das Angebot der Jugendfachstellen ist in den jeweiligen Anschlussgemeinden für die Schulen kostenlos. Es ist integrierter Bestandteil der ASIV (Verordnung über die Angebote der sozialen Integration des Kantons Bern) und somit Auftrag der Jugendarbeit. Allfällige Kosten für Infomaterial und Broschüren, usw. gehen zulasten der Jugendfachstelle.

Elternabend

Der Elternabend im Anschluss dauert in der Regel 2 Stunden. Nach einem Kurzen Einstieg mit einem Referat über die Themenbereiche der Neuen Medien in der Pädagogik (ca. 15 Minuten) besichtigen die Eltern die Plakate der SuS.

Im Anschluss sammeln wir mit Hilfe eines für alle sichtbaren Mindmap die Fragen der Eltern. Im darauf folgenden Referatsteil gehen wir nur auf diese Fragen ein. Dabei verzichten wir auf eine Umfassende Information aller relevanten Themenbereichen.

Am Schluss stellen wir noch einige Bücher und Broschüren vor und erläutern den „Netz Kodex“ der Klasse.

Diese Form der Elternabende haben den Vorteil, dass Eltern zusammentreffen, die im Alltag oft mit den Selben Themen zu tun haben (ihre Kinder gehen zusammen in die selbe Klasse). So erstaunte es uns nicht, dass auch die Fragen oft sehr ähnlich waren.