Virtuelle Jugendarbeit

Ein Angebot der Regionalen Kinder- und Jugendfachstelle Täuffelen – Ins – Erlach

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Fotos im Kanton Bern publizieren – ein Nachtrag…

Im Kanton Bern gelten spezielle Bestimmungen was das publizieren von Fotos im Internet anbelangt (ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema findet man hier). In der Datenschutzverordnung des Kanton Bern steht unter Art. 2:

Werden Personendaten mittels automatisierter Informations- und Kommunikationsdienste zwecks Information der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so stellt die verantwortliche Behörde sicher, dass die Rechtsgrundlage auch die Datenbekanntgabe ins Ausland erlaubt.

So hat uns Frau Meuwly, Rechtsanwältin der Datenschutzaufsichtsstelle des Kanton Bern auf folgendes hingewiesen:

Selbst wenn für eine Veröffentlichung von Bildern im Internet eine Zustimmung vorliegt, genügt diese für eine dauernde Aufschaltung jedoch nicht. Eine Veröffentlichung im Internet stellt immer auch eine Datenbekanntgabe ins Ausland dar. Hierfür ist gemäss Art. 2 der Datenschutzverordnung (DSV; BSG 152.040.1; abrufbar hier) eine gesetzliche Grundlage erforderlich.

Wie man auf Ihrer Homepage erkennen kann, sind bereits Bilder von teils erkennbaren Kindern und Jugendlichen aufgeschaltet. Wollen Sie diese Praxis beibehalten, werden Sie daher eine solche Rechtsgrundlage noch schaffen müssen (Reglement der Sitzgemeinde).

Was uns freute, war der Hinweis, dass Jugendliche mit 12 Jahren bereits urteilsfähig sind betreffend dem veröffentlichen von Fotos in Printmedien und es hierzu nicht mehr braucht als deren Einwilligung. Auch hierzu das Zitat von Frau Meuwly:

Damit jemand selbständig seine Datenschutzrechte wahrnehmen kann (hier: Einwilligung in die Veröffentlichung des eigenen Bildes), muss er urteilsfähig sein. Mündigkeit ist nicht erforderlich. Eine Einwilligung in die Veröffentlichung von Bildern ist erforderlich, sobald eine Person erkennbar ist. Ob sie dabei nur „Beiwerk“ ist, spielt keine Rolle.

Die Urteilsfähigkeit ist eine relative Grösse und muss in Bezug auf die jeweiligen Lebensumstände unterschiedlich beurteilt werden. Es kommt daher darauf an, ob die Bilder für die Hauszeitung (nur auf Papier) oder für eine Publikation im Internet vorgesehen sind. Bei einer Publikation in der Hauszeitung dürfte die Urteilsfähigkeit mit 12 Jahren gegeben sein. Die faktische Bedeutung des Umfeldes „Internet“ zu erkennen (weltweite Datenbekanntgabe, Daten „ewig“ vorhanden), setzt hingegen eine gewisse Lebenserfahrung voraus. Sodann kann bei Jugendlichen eine „gewisse Euphorie“ dazu führen, dass trotz Einsicht in die negativen Folgen einer Datenbekanntgabe via Internet die positiven Folgen überbewertet werden. Im Umfeld von Jugendlichen kann zudem ein „Gruppendruck“ bestehen. Es ist somit davon auszugehen, dass Unter-16-Jährigen die Urteilsfähigkeit für eine Zustimmung zu einer Veröffentlich ihres Bildes auf Internet fehlt. Es bedarf somit der Zustimmung der gesetzlichen Vertreter.

An dieser Stelle möchten wir Frau Meuwly für die kompetenten Auskünfte danken.

Fotos in der Offenen Jugendarbeit

Umgang mit Fotos in der Regionalen offene Jugendarbeit Täuffelen – Ins – Erlach

Fotos sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, da sie uns einerseits die Verbildlichung unserer Aktivitäten und unserer Arbeit erlaubt und andererseits im immer wieder schöne Erinnerungsmomente ermöglicht.

Um die Kinder und Jugendlichen, Behörden und Fachstellen sowie Eltern und weitere Interessierte über die Aktivitäten und die Arbeit von ROJA zu informieren, benutzen wir folgende Medienkanäle: Printmedien (Mini ROJA News, ROJA Flash, ROJA Broschüre), Websites (www.roja-jugendarbeit.ch sowie www.virtuelle-jugendarbeit.ch) und das soziale Netzwerk Facebook.
Um unsere Homepage, die hauseigene Zeitung „Mini ROJA News“, die „ROJA Flash“ und die „ROJA Broschüre“ lebendiger zu gestalten, brauchen wir Fotos!!! Dies gestaltet sich jedoch im Hinblick auf den Datenschutz komplizierter als es zu Beginn scheint. Im Hinblick auf die Nutzung dieser Fotos wie auch in Bezug auf jugendarbeitsrelevante Themen wie „Jugend und Neue Medien“ und „Umgang mit Fotos im Internet“ ist es uns wichtig, die datenschutzrechtlichen Grundlagen zu kennen und uns in unserer Arbeit an ihnen zu orientieren. Im Folgenden werden daher zuerst die rechtlichen Grundlagen erläutert und darauf basierend schliesslich unsere Vorgehensweise mit Fotos dargestellt.

Rechtliche Grundlagen für den Umgang mit Fotos einzelner Personen

„Das Recht am eigenen Bild“ ist ein Teil des Persönlichkeitsrechtes und wird im Zivilgesetzbuch geregelt:

Art. 28

II. Gegen Verletzungen

1. Grundsatz

1 Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, kann zu seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, das Gericht anrufen.

2 Eine Verletzung ist widerrechtlich, wenn sie nicht durch Einwilligung des Verletzten, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch Gesetz gerechtfertigt ist.

Das Recht am eigenen Bild ist zudem ein höchstpersönliches Recht. D.h. ein Recht, das jemandem um dessen Persönlichkeitswillen zusteht.

Urteilsfähige Jugendliche können ihre höchstpersönlichen Rechte gestützt auf Artikel 19 des ZGB sowie Artikel 11 der Bundeverfassung selbständig geltend machen.

Art. 19

3. Urteilsfähige Unmündige oder Entmündigte

1 Urteilsfähige unmündige oder entmündigte Personen können sich nur mit Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter durch ihre Handlungen verpflichten.

2 Ohne diese Zustimmung vermögen sie Vorteile zu erlangen, die unentgeltlich sind, und Rechte auszuüben, die ihnen um ihrer Persönlichkeit willen zustehen.

Art. 11 Schutz der Kinder und Jugendlichen

1 Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung.

2 Sie üben ihre Rechte im Rahmen ihrer Urteilsfähigkeit aus.

Da das Recht am eigenen Bild ein höchstpersönliches Recht ist, kann auch ein unmündiges Kind, welches jedoch urteilsfähig ist, autonom über die Verwendung dieses Bildes entscheiden. Für die Urteilsfähigkeit gibt es jedoch keine fixe Altersgrenze. In Artikel 16 ZGB wird die Urteilsfähigkeit folgendermassen definiert:

Art. 16

d. Urteilsfähigkeit

Urteilsfähig im Sinne dieses Gesetzes ist ein jeder, dem nicht wegen seines Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunkenheit oder ähnlichen Zuständen die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln.

Prof. Dr. R. Fankhauser von der Uni Basel erläutert:

„Urteilsfähigkeit [ist] Die Fähigkeit, einerseits Sinn, Tragweite und Nutzen einer Handlung zu erkennen (Erkenntnisfähigkeit) und andererseits, gemäss dieser Einsicht aus freiem Willen vernunftgemäss zu handeln (Willensumsetzungsfähigkeit). Urteilsfähigkeit ist neben der Mündigkeit Voraussetzung der vollen Handlungsfähigkeit. Urteilsfähigkeit wird vermutet, ausser es liegt ein besonderer Zustand vor (vgl. Art. 16 ZGB). Urteilsfähigkeit ist relativ, d.h. immer in Bezug auf die betreffende Person und die konkrete Handlung zu beurteilen“ (Fankhauser, HS 07/08, S.3).

Folgerungen für den Umgang mit Fotos einzelner Personen in der Regionalen offenen Jugendarbeit

Um nun also ein Foto eines Jugendlichen beispielsweise in den Mini ROJA News veröffentlichen zu dürfen, brauchen wir laut Artikel 19 des ZGB sowie Artikel 11 der Bundeverfassung nicht zwingend das Einverständnis der Eltern. Es reicht die Einwilligung des betroffenen Jugendlichen selbst. Allerdings muss er vorab darüber informiert werden, wo und zu welchem Zweck sein Foto veröffentlicht werden soll und es muss sichergestellt sein, dass der betroffene Jugendliche den Sinn, die Tragweite sowie den Nutzen der Veröffentlichung seines Fotos einschätzen kann. Dies impliziert rein rechtlich gesehen, dass der betroffene Jugendliche das für die Veröffentlichung vorgesehene Bild vor dessen definitiven Publikation einsehen und allenfalls der Publikation widersprechen können muss.

Da es für die Urteilsfähigkeit jedoch keine fixe Altersgrenze gibt, wird empfohlen, im Zweifelsfall trotzdem noch die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter einzuholen.

Rechtliche Grundlagen für den Umgang mit Gruppenfotos

Weiter  muss unterschieden werden zwischen der Veröffentlichung von Gruppenfotos, wo die Abgebildeten nur als Beiwerk zu sehen und der gezielten Abbildung einzelner Personen.

„Grundsätzlich sei angemerkt, dass Teilnehmer an einer öffentlichen Veranstaltung damit rechnen müssen, im Rahmen einer Berichterstattung erwähnt bzw. fotografisch abgebildet zu werden. Diese hat sich allerdings bei der Auswahl der Bilder auf die im öffentlichen Interesse liegenden Aspekte der Veranstaltung (Veranstaltung selbst, besondere Vorkommnisse etc.) zu beschränken. In einem solchen Zusammenhang kann die Abbildung von Personen zwar heikel sein, stellt aber grundsätzlich kein rechtliches Problem dar“ (http://www.edoeb.admin.ch/themen/00794/01124/01299/index.html?lang=de).

 

Bilder, auf denen eine Person als Beiwerk zu einer Landschaft, zu einer öffentlichen Örtlichkeit oder im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung erscheint, dürfen publiziert werden“ (Krummenacher, 2008, S. 1).

Folgerungen für den Umgang mit Gruppenfotos in der Regionalen offene Jugendarbeit


D.h. dass wir rechtlich gesehen Fotos von Jugendlichen, die an unseren öffentlichen Anlässen teilnehmen, publizieren dürfen, sofern die Jugendlichen nicht im Vordergrund des Bildes stehen oder auf kompromittierende Art und Weise dargestellt werden. Die Jugendlichen dürfen also nur als Beiwerk auf dem Bild zu sehen sein. Wobei es keine klare Definition hinsichtlich dieses „Beiwerk-Status“ gibt, sondern in jedem Einzelfall erneut überprüft werden muss, ob eine Person im Vordergrund eines Fotos steht oder nicht. Ebendiese Grauzone bedingt ein gewisses Bewusstsein im Umgang mit der Kamera wie auch bei der definitiven Veröffentlichung der Bilder.

Fazit

Abschliessend muss gesagt werden,  dass es trotz Datenschutz- und Persönlichkeitsrechten gewisse Unklarheiten und Definitionsspielräume hinsichtlich der Veröffentlichung von Fotos gibt. Um in der Regionalen offenen Jugendarbeit weiterhin mit Fotos arbeiten zu können, versuchen wir uns je nachdem durch schriftliche Zustimmungen der Jugendlichen sowie deren gesetzlichen Vertretern oder zumindest durch die Information hinsichtlich der Verwendung der Bilder rechtlich abzusichern. Auf das Hochladen von Fotos auf Facebook oder andere soziale Netzwerke wird bei ROJA gänzlich verzichtet, da durch das Hochladen auf Facebook das Recht am eigenen Bild an Facebook abgegeben wird und andererseits kaum jemand mehr Kontrolle darüber haben kann, wie und mit wem das Foto schlussendlich geteilt wird.

Um den Jugendlichen fotografische Erinnerungen (beispielsweise an ein Lager) nicht zu verwehren, werden die jeweiligen Fotos auf eine CD transferiert, welche anschliessend von den interessierten Lagerteilnehmer/-innen persönlich abgeholt werden kann.

Quellenverzeichnis

Das Schweizervolk und die Kantone, Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, http://www.admin.ch, (Stand: 4.11.12)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (2012), Schweizerisches Zivilgesetzbuch, http://www.admin.ch, (Stand: 4.11.12)

Fankhauser, R. (HS07/08), Glossar zum Personenrecht, https://ius.unibas.ch/studium/lehrveranstaltungen/vergangene-semester,  (Stand: 4.11.12)

Krummenacher, Andreas (2008). Mein Bild, meine Stimme, mein Wort – gehört mir! Einige Aspekte zum Thema Urheberrecht und Persönlichkeitsschutz, http://www.berner-landeskirchen.ch/fileadmin/user_upload/downloads/Urheberrecht_Krummenacher.pdf, (Stand: 4.11.12)

 

Über den Umgang mit den neuen Medien

Wie lange darf mein Sohn youtube Videos konsumieren? Ist es normal, dass sich meine Tochter jeden Tag auf Facebook einloggt? Darf ich meinem Kind ein Smartphone kaufen? Gibt mir die Handyrechnung Aufschluss über die Handynutzung meines Sohnes?

Durch Computer, Fernseher, Handy, Smartphone, usw. entstehen Themen, die heute die Erziehung neu zu definieren scheinen. Als Eltern steht man wohl immer wieder von Neuem am Berg und Rat finden, ist schwierig, denn Bücher zu diesen Themen neigen dazu, beim Erscheinen schon veraltet zu sein. Das Internet hilft weiter, es gibt eine Unzahl von Ratgeberseiten – doch läuft man beim Rat suchen Gefahr, sich selber im Netz zu verlieren, denn die Fülle an Informationen führt zu einer Vielzahl von Antworten – welches ist denn nun die richtige?

Für unsere Eltern- und Erwachsenenkursen diskutieren wir unbeantwortete Fragen immer wieder, erforschen das Internet nach Expertenantworten und studieren Statistiken.

In diesem Beitrag stelle ich daher, aus meiner professionellen Sicht als Jugendarbeiter und aus der Sicht als Familienvater einige Aspekte der Erziehung rund um „neue Medien“ zur Diskussion und Anregung.

Geburt bis Kindergartenalter
Experten sind sich einig, dass Kleinkinder unter 4 Jahren noch keinen Zugang zu Geräten der Neuen Medien brauchen. Und doch kann man beobachten, dass bereits Kinder, die jünger als ein Jahr alt sind, sich mit einem Smartphone beschäftigen können. (Studien zu diesem Thema liegen kaum vor, so bezieht sich diese Beobachtung auf mein Umfeld und diverse Behauptungen aus dem Internet.)

Ich selber, als Vater von vier Töchtern und begeisterter Beobachter der Entwicklung neuer Medien bin der Meinung, Kinder dürfen durchaus Kontakt zu Geräten wie Smartphones und Tablets haben, denn sie bieten super Möglichkeiten der Frühförderung. Die Bildschirmzeit sollte aber sehr begrenzt sein (z.B. ein- bis zweimal die Woche 15 Minuten) und die Eltern sollen genau wissen, was das Kind mit dem Gerät macht!

Im Kindergartenalter gibt es beispielsweise wunderbare Apps, die sich dem vorschulischen Lernen widmen (z.B. von Lernerfolg Grundschule die Apps Prinzessin Lillifee und Kapitan Sharky). Ist ein Kind interessiert, so kann ein regelmässiger Kontakt mit solchen Apps auf einem Tablet Computer (z.B. dem IPad) sinnvoll sein. Auch hierbei gehe ich davon aus, dass die Eltern genau wissen, was ihr Kind macht!

Die ersten drei Schuljahre
Die Schule erwartet neuerdings im Kanton Bern von allen Kindern der dritten Klasse, dass sie selbständig am Computer Französisch lernen können. Damit die Kinder dazu bereit sind, würde ich empfehlen, ab der ersten Klasse zwischendurch mit dem Kind ab und an am Computer zu arbeiten. Die meisten Kinderhände sind in diesem Alter in der Lage, mit einer Maus und Tastatur umzugehen. (Unsere Kinder übten dies mit den leider nicht mehr erhältlichen Lernspielen von Peterson und Findus).

Ein erstes multimediales Bedürfnis welches ein eigenes Gerät notwendig machen könnte ist das Musik hören. Ein eigener MP3 Player kann so bereits in der Unterstufe ein Thema sein. Hierzu gilt es aber zu bedenken, dass Ohren bei zu lauter Lautstärke schnell Schaden nehmen. (Die IPods von Apple haben eine Lautstärkenbegrenzung, die ich persönlich als sehr gut einstufe.)

Mittelstufe
Die grosse Spannweite in der Entwicklung der Kinder macht es schwierig, für diese Lebensjahre genaue Empfehlungen abzugeben. Einigkeit herrscht unter den Experten darin, dass Kinder unter 10 Jahren nicht alleine im Internet unterwegs sein sollen. Der Familien Computer an einer gut einsehbaren Stelle steht, also fürs schulische Lernen ausreichend.

Viele Kinder wollen aber bereits in dieser Lebensphase mit ihren Freund/innen online in Kontakt sein. War vor wenigen Jahren das Handy das Objekt der Begierde so könnte dies heute z.B. der IPod Touch von Apple sein. Miteinander chatten, Nachrichten versenden, Musik hören, Computerspiele spielen, aber auch Youtube Videos ansehen und Internet Recherchen usw. machen diese Geräte extrem interessant – besonders weil zu Hause im eigenen WLAN keine Kosten durch die Nutzung entstehen.

Wir haben unseren Kindern (7 und 10 Jahre) den Erwerb eines ipod und ipod touch erlaubt und begleiten sie bei der Nutzung durch klare Regeln und sinnvolle Einschränkungen (20 Minuten/Tag, Internet und Youtube nur wenn wir daneben sitzen, Installieren von Software nur mit uns, usw.). Ähnlich würde ich auch das Thema Spielkonsole regeln – war aber bei unseren Kindern bisher kein Thema. In Deutschland besitzen etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren ein eigenes Handy und/oder einen eigenen MP3 Player (Quelle: KIM Studie 2010)

Oberstufe

Nach Rücksprache mit diversen Oberstufenschulen steht für mich fest, Jugendliche sollten ab der 7. Klasse in der Lage sein, in der Schule selbständig im Internet zu recherchieren und sich bestmöglich abgrenzen können, damit sie sich nicht im Netz verlieren bzw. erkennen, wenn ihnen ungute Sites begegnen und sie sich Rat bei einer erwachsenen Person holen müssen. Dazu ist aber wichtig zu wissen, dass die Schulen in der Schweiz meistens mit einem relativ guten Internetfilter (Swisscom nennt diesen Web Content Screening) ausgestattet sind. Diese Filter sollen die Kinder und Jugendlichen vor ungewollten Suchresultaten schützen und z.B. pornographische oder Gewalt verherrlichende Inhalte verbergen. Solche Filter kann man auch zu Hause installieren (am besten beim Provider nachfragen).

Ein weiteres Thema sind die Sozialen Netzwerk Seiten. Hierzu findet man Infos unter „Was macht Facebook für Jugendliche so spannend“ und in der Broschüre zum Facebook Schnupperkurs für Eltern.

Handy, resp. Smartphone

Viele Eltern sind froh, ihre Kinder mittels Handy zu erreichen. Auch das Kind lernt, dass es praktisch ist, erst unterwegs mit den Eltern die Zeit zum nach Hause kommen zu besprechen… So sollte man zuerst klären, wer welches Interesse zwecks Handy hat. Ich bin überzeugt, dass zum Erlernen der Planungskompetenzen und Zuverlässigkeit ein Handy hinderlich ist, in einem richtigen Notfall aber ein Segen sein kann.

Ich persönlich finde keine Gründe, die für ein Smartphone sprechen (extrem teuer, freies Internet beinahe überall, …) wo hingegen ein einfaches Handy mit einem Prepay Abonnement je nach Bewegungsradius des Jugendlichen sinnvoll sein kann.

Zusammenfassend

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland hat folgende Empfehlung publiziert (Quelle: Lehrer-online.de):

Sieht man von meinen Ausführungen zur Tablett- oder Smartphonenutzung der Ein- bis Dreijährigen ab, so würde ich diesen Empfehlungen im Sinne von maximalen Richtlinien zustimmen.

Ab der 5. Klasse empfiehlt Martin Kohn in seinem Buch „Hilfe, mein Kind hängt im Netz“ (2010, Deutschland) eine Nutzungsdauer von 1 bis 2 Stunden je Tag (Internet und Fernsehen zusammengerechnet). Auch diese Empfehlung würde ich als Maximalwert mit „akzeptabel“ einstufen. Schaut man in die JIM Studie 2011, so verbringt in Deutschland diese Altersgruppe an einem durchschnittlichen Werktag immerhin 134 Minuten im Internet und 113 Minuten vor dem Fernseher!

Eine weitere wichtige Faustregel ist der Vergleich zwischen Bildschirmzeit und der Zeit draussen. Besteht hier eine Ausgewogenheit, so kann man von einer gesunden Entwicklung ausgehen. Vorausgesetzt die Kinder hängen mit 11 Jahren nicht bis nachts um 22.00 Uhr draussen rum; unbeaufsichtigt und alleine unter Kollegen:-) und der Computer oder das Smartphone befinden sich nicht im Zimmer, mit WLAN Zugang und das Kind ist nachts online und tagsüber draussen unterwegs:-)

Generation Facebook

Vier Beispiele betreffend Facebook. Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 auf Youtube von Spiegel TV.

Ein Film über vier Menschen: Sie streiten sich, sie verabreden sich über das Soziale Netzwerk, sie lassen sich von ihm inspirieren und eine von ihnen ist mittlerweile sogar aus Facebook geflüchtet.

Schriftsteller Lars Amend hat den Protagonisten seines neuen Buchs über Facebook gefunden. Für Schülerin Lara ist der Umgang mit Sozialen Netzwerken eine selbstverständliche Alternative zum Telefonieren. Gitarrenbauer Frank Deimel sieht in Facebook auch und vor allem den geschäftlichen Nutzen. Studentin Yvonne ist dagegen ausgestiegen, ihr ist der Immerzu-Online-Zwang nach zwei Jahren auf die Nerven gegangen.

Link zum Film

Netzangriff

Was tun, wenn plötzlich private Fotos im Internet auftauchen?
Dieses Problem hat die sechzehnjährige Clara im Krimi „Netzangriff“. Wie sie mit dieser Situation umgeht?
Der Film „Netzangriff“ auf dem ARD Youtube Chanel widmet sich auf eindrückliche Weise dem Thema Cybermobbing.
Der Film eignet sich gut für den Einstieg ins Thema „Neue Medien“ in der Oberstufe.

Was macht Facebook für Jugendliche so spannend?

Eine Frage, die uns während Facebook Einführungskurse für Eltern immer wieder gestellt wird ist, „Was genau macht Facebook für Jugendliche so spannend?“. Und nach neusten Statistiken könnte man die Frage mit „warum hat sich dies in den letzten Monaten geändert?“ ergänzen. Über die zweite Frage gibt es bereits ausführliche Zeitungsberichte zu einigen Theorien (zB. 20 Minuten online vom 4. Juli 2012 http://bit.ly/Rexl4M). Wir sehen den Hauptgrund darin, dass immer mehr Erwachsene und teilweise sogar ihre Eltern Facebook nutzen.

Die erste Frage ist viel spannender, den Facebook bietet den Jugendliche vieles, dass in der Lebensphase 14 – 17 Jahren für sie wichtig ist!

Vernetzt sein
Facebook, resp. soziale Netzwerk Seiten generell, befriedigen in gewisser Weise eines der tiefsten menschlichen Bedürfnisse: Nämlich das Bedürfnis, mit anderen Menschen verbunden, vernetzt zu sein.

Kontakt zu Freunden
Nebst der Möglichkeit, alte Bekannte über Facebook wieder zu finden oder mit ehemaligen Schulkolleg/innen in Kontakt zu bleiben, kann ich über die verschiedenen Facebook-Funktionen jederzeit mit meinen Freunden in Kontakt sein. Zum Beispiel über den Chat, indem ich eine Nachricht verschicke oder indem ich einen Kommentar poste.
Meist wird auf Facebook dort weiterdiskutiert, wo man in der Schule aufgehört hat. D.h. Facebook bietet eine Möglichkeit, Geschehnisse aus der realen Welt auf einer virtuellen Basis weiter zu diskutieren. Facebook braucht also sozusagen eine reale Welt, die man virtuell besprechen kann.

Immer auf dem Laufenden
Auf Facebook kann ich schauen, wer gerne welche Musik hört, wer welche Schuhmarke toll findet und wer wann an welches Konzert geht. Kurz: ich kann schauen, wer welche Interessen hat und was gerade in ist.
Ausserdem sehe ich, wer mit wem eine Beziehung hat oder zwischen wem gerade ein Streit im Gange ist. Ganz viele emotionale Dinge spielen sich auf Facebook ab. Eben z.B. wenn dafür in der Schule keine Zeit mehr geblieben ist.
Dieser Punkt trägt ein gewisses Suchtpotenzial mit sich und kann in Kombination mit einigen anderen ungünstigen Faktoren im schlimmsten Fall zu einem Suchtverhalten führen.

Zugehörigkeit und Integration zu Gleichaltrigen (Entwicklungsaufgabe)
Auf Facebook kann ich mir einen ganzen „Freundeskreis“ (Der Begriff „Freund“ wird im Zusammenhang mit Facebook als Pauschalbegriff für alle, die ein Facebook Nutzer als dies akzeptiert, verwendet. So hat ein durchschnittlicher Facebook Nutzer in der Schweiz ca. 150 Freunde. Bei den Jugendlichen beobachten wir, dass sie die meisten Facebook Freunde persönlich kennen.) aufbauen, mit dem ich vernetzt bin. Ich gehöre sozusagen zu einer Gruppe, zu Facebook. Diese Aufgabe, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen, ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe im Jugendalter. Dank meinem Facebook-Profil kann ich mich auch an den ausserschulischen Gesprächen beteiligen, bin auf dem Laufenden, was gerade so abgeht und fühle mich integriert.
Neben einem Freundeskreis ist es auch möglich, mit mehreren Personen eine Gruppe auf Facebook zu gründen. Beides gibt den Jugendlichen ein Gefühl der Dazugehörigkeit.

Neue Freunde finden
Ich kann meinen Freundeskreis auf Facebook erweitern, indem ich meine Daten auch den Freunden meiner Freunde zugänglich mache. Ausserdem kriege ich von Facebook regelmäßig weitere Freundschaftsvorschläge. Das sind entweder Freunde von meinen Freunden oder Personen, die Facebook als „interessant“ für mich definiert, da sie dieselben Interessen angegeben haben wie ich oder beispielsweise am selben Ort wohnen etc. Mit einer gut gestalteten Suchfunktion kann ich natürlich auch selber nach diesen Leuten suchen.

Die Welt wird kleiner – Nutzbare Vernetzung mit grosser Gruppe
Durch diese soziale Vernetzung scheint die Welt kleiner zu werden und ich habe über verschiedene Ecken Kontakt zu ganz verschiedenen Leuten. Dies kann unter anderem dann positiv sein, wenn ich zum Beispiel etwas verkaufen will oder umgekehrt auf der Suche nach etwas Bestimmtem bin. Denn Aufrufe oder Nachrichten werden weitergeleitet und landen so zum Teil bei Personen, die ich in der realen Welt vielleicht nicht kenne und somit auch nicht erreicht hätte.

Selbstdarstellung / Identitätssuche; Wer bin ich? Wie will ich mich darstellen? (Entwicklungsaufgabe)
Für Jugendliche, die in einer Phase stecken, in der die eigene Identität und die Frage „wer bin ich eigentlich?“ eine sehr wichtige Rolle spielen, ist Facebook eine spannende Gelegenheit, sich selbst darzustellen, mit der eigenen Identität zu experimentieren und das eigene Profil dem täglichen Empfinden anzupassen.
Selbstdarstellung wird oft in einem Atemzug mit Facebook mit genannt. Dazu kurz ein Zitat, welches wir als sehr treffend bezeichnen:

„Den Drang, sich zu präsentieren, gab es schon vor Facebook: Das Internet ist der Katalysator, aber nicht die Ursache für die virtuelle Selbstdarstellung“
(Von Gehlen, D. (2010, Juli). Selbstdarstellung im Netz. Das Ego geht online, Süddeutsche.de (Datum des Zugriffs: 23.03.12)).
Dirk von Gehlen ist Leiter “Social Media/Innovation” bei der Süddeutschen Zeitung

Durch die recht einfache Möglichkeit, ein eigenes Profil zu erstellen und es mit Fotos, Videos und anderen Inhalten zu füllen, kann man sich selbst darstellen und im Netz präsentieren. Ein Profil ist dabei nichts Statisches. Im Gegenteil, neue Inhalte und Änderungen machen es attraktiv und laden zum Besuch der Seite ein (Freunde werden automatisch auf Änderungen hingewiesen).
Dabei kann der virtuelle «Freundeskreis» als Clique angesehen werden, welche zur Bestätigung der Selbstdarstellung dient. Communities bieten die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Man bekommt direkt Rückmeldungen zum eigenen Auftreten. Kommentare zu den eigenen Fotos und daraus entstehende Diskussionen können Bestätigung oder Ablehnung mit sich bringen. In jedem Fall ist es hier, aufgrund einer niedrigeren Hemmschwelle leichter, sich selbst zu präsentieren und dafür ein Feedback zu bekommen als im Offline Leben.
In dieses Thema fliesst ebenfalls die Entwicklungsaufgabe: Übernahme der weiblichen oder männlichen Geschlechtsrolle. Posing-Fotos sind eine sehr verbreitete Form um das eigene Geschlecht hervor zu streichen oder damit herum zu experimentieren.
Eine mögliche Gefahr in diesem Bereich liegt darin, dass unangebrachte oder zu extreme Fotos zu Ablehnung und im schlimmsten Fall zu Cybermobbbing führen können. Laut James-Studie (http://bit.ly/NuoUEH) sind Jugendliche, welche viele Fotos auf Facebook laden, öfter von Cybermobbing betroffen als solche, die kaum Fotos auf Facebook stellen.

Wissen, was die anderen tun (sozialer Vergleich)
Facebook bietet die Möglichkeit des sozialen Vergleichs. Das heisst, dass ich mich über Facebook mit anderen vergleichen kann. Liege ich im Bereich „Freunde“ im Durchschnitt oder haben alle anderen viel mehr Freunde? Wie stellen sich die anderen dar? Etc.

Anonymität
Die Anonymität im Internet ist an dieser Stelle ein spannender Faktor. Das Verhalten im Netz ist oft geprägt von einer sinkenden Hemmschwelle. «Der Benutzer befindet sich meist in einem vertrauten Umfeld, kommuniziert vorwiegend anonym und hat dadurch einen viel größeren Abstand zum Kommunikationspartner. Der Benutzer kann sich viel ungezwungener austauschen. Dies führt unter anderem auch dazu, dass sich sehr viel schneller intimere Gespräche entwickeln können.» (vgl. Artikel Computervermittelte Kommunikation auf Wikipedia) Sicherlich fällt es vielen Jugendlichen im Netz leichter fremde Menschen oder auch das schon lange angehimmelte Mädchen anzusprechen.

Gestaltung eigener Räume / Loslösung, Abgrenzung von Eltern (Entwicklungsaufgabe)
Dass sich Jugendliche ihr persönliches Umfeld selbst gestalten wollen, sieht man nicht zuletzt an Kinder- bzw. Jugendzimmern. Wie in der privaten Wohnumgebung besteht auch im öffentlichen Raum das Bedürfnis Plätze oder Orte für sich bzw. die Clique zu entdecken, diese zu nutzen und auch zu gestalten.
Soziale Netzwerk Seiten bieten nun einen Raum, der von den jeweiligen Akteuren durch das eigene Profil bzw. durch den Zusammenschluss in Freundschaften gestaltet werden kann. Unter (bedenkenswert) wenig Beachtung durch die Erwachsenenwelt und somit wenig sozialer Kontrolle können Jugendliche sich hier ungestört zu den unterschiedlichsten Themen austauschen. Dass es dabei manchmal auch in eine «pädagogisch schwierige» Richtung geht, muss angenommen werden.
Die Eltern sind oft nicht auf Facebook oder aber anders unterwegs. Dadurch können sich die Jugendlichen von ihren Eltern abgrenzen.

Wie auch immer sich die Möglichkeiten in der virtuellen Welt weiter entwickeln? Klar ist, Jugendliche werden sich ihre Nischen im Netz suchen um möglichst ungestört von den älteren Generationen ihre Freundschaften zu pflegen und all die grossartigen Möglichkeiten der Neuzeit zu nutzen!

Der Artikel wurde von Nathalie Bürdel und Lukas Loosli, den Verantwortlichen für den Bereich „Neue Medien“ der Regionalen Offenen Jugendarbeit Täuffelen – Ins – Erlach verfasst.